Archive für 8.6.2009

Vorsicht, Ölfilm!

Manchmal wundert man sich doch sehr stark, nach welchen Kriterien die Oscars vergeben werden, besonders, wenn man sich durch einen zweieinhalbstündigen Film quälen muss, den man gut und gerne in eineinhalb Stunden hätte unterbringen können.

Es geht um den Film Ext. Link „The Will Be Blood“.

Zuerst mal zur Musik: Im Wikipedia-Eintrag steht zu lesen, dass „das avantgardistische Musikkonzept von Komponist Jonny Greenwood“ viel Lob erhielt. Mich hat die Musik genervt. Teilweise hörte es sich nach Orchester-Warmspielen und Instrumente-Stimmen an. Dazu kommt, daß in der ersten halben Stunde so gut wie nichts gesprochen wird.

Für das Fortschreiten der Handlung des Films und die Charakterisierung der Person des „Ölmannes“ ist eigentlich sogar die ganze erste Stunde ziemlich unwichtig und könnte in gut zehn Minuten komprimiert werden. Ich könnte wohl tatsächlich einen „Viewer’s Cut“ anbieten, der eine bessere Musik hätte und nur 90 Minuten lang ist, ohne dass vom Film etwas Wesentliches verloren geht.

Daniel Day-Lewis’ schauspielerische Qualitäten sind wirklich ausgezeichnet, aber der Film an sich ist in meinen Augen total überbewertet. Ohne Day-Lewis hätte ich den Film wahrscheinlich abgeschaltet, aber ich wollte wissen, wie die Figur niedergeht.

Übrigens bemängele ich, dass hier wieder einmal kein deutscher Titel gefunden wurde. „There will be blood“ stammt aus der Bibel (Exodus 7,19), und die deutsche Standard-Bibel-Übersetzung der Textpassage (Und der HERR sprach zu Mose: Sage Aaron: Nimm deinen Stab und recke deine Hand aus über die Wasser in Ägypten, über ihre Bäche und Ströme und Seen und über alle Wassersümpfe, daß sie Blut werden; und es sei Blut in ganz Ägyptenland, in hölzernen und in steinernen Gefäßen.) klingt irgendwie sehr geschwollen. (Die Bibel bräuchte wohl mal wieder eine zeitgemäßere Interpretation!)

Warum traute sich bloß niemand, „Es wird Blut fließen“ als deutschen Titel zu wählen?

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