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Welcome to the real world!
In der Nachrichtengruppe “de.etc.sprache.deutsch” ging es in einem Beitrag um eine Heise-Meldung:
Die Überschrift für den Insider:
“Singapore Airlines integriert StarOffice in Inflight Entertainment System”
Am “iert” erkennt man das Deutsch. Das ist heise.de.
Darauf kam eine Antwort:
> Am “iert” erkennt man das Deutsch. Das ist heise.de.
IMHO am ‘in’ auch. Englisch müsste es wohl ‘within’ lauten.
Man sieht das Problem: Käme da auf Englisch, natürlich wenn statt integriert integrates dort stünde, tatsächlich ein “within” hin? Oder vielleicht doch besser ein “into”?
Aber wer weiß das hierzulande schon so genau? Muß man ja eigentlich auch nicht, denn wir sprechen hier ja wohl doch eigentlich Deutsch!
Oder doch nicht? Gerade heute nahm ich nämlich wieder einmal amüsiert zur Kenntnis, wie oft hierzulande Englischkenntnisse vorausgesetzt werden.
In einem Musikalienhandelsgeschäft gibt es “Moonlight-Shopping“. Der “Scheiben-Doktor” wirbt mit “1st Choice“. In einem Bekleidungsgeschäft gibt es keine “Junge Mode” mehr, sondern nur noch “Young Fashion“. Ein anderer Laden wirbt mit “Summer Sale“. In einem Urlaubsmagazin aus Ostfriesland heißt es “Beauty-Tage für Body and Soul“, es gibt “Hot-Stone-Massagen”, und der Web-Auftritt wird als “Wellness-Portal” bezeichnet. Und in einem Ort gibt es einen “Indoor-Spielpark”, der auch einen “Climbingparcours” hat.




Problem ist, daß kaum jemand auf Anhieb weiß, wie es richtig auf Deutsch heißt.
Und dann gibt es Menschen, die *überhaupt* nicht wissen, was das bedeutet.
Nur um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich bezeichne niemanden als Sprachpanscher, denn ich will ja auch nicht als Sprachbewahrer tituliert werden. Ich liebe die englische Sprache, allerdings nicht in Deutschland.
Ich nehme es belustigt bis besorgt zur Kenntnis, daß viele Unternehmen zu Werbezwecken englische Begriffe verwenden, einfach nur deshalb, um irgendwie “stylisch englisch” und nicht “altbacken deutsch” zu wirken. Daß sie allerdings oft genug an der Kundschaft vorbeiwerben, weil diese das Englische gar nicht versteht, bemerken die Verantwortlichen nicht.
Ich habe auch nichts gegen in die deutsche Sprache einfließende Begriffe. Allerdings sollte es schon eine Bereicherung und keine Verdrängung sein. “Countdown” ist so ein schönes Wort, für das ich gar kein passendes deutsches Wort kenne. Auch das Computer-Mainboard kennen nicht mehr nur Experten, und sogar Kunstwörter wie “Showmaster” und “Barkeeper” finde ich völlig in Ordnung, weil jeder weiß, was damit gemeint ist.
Wirklich dämlich wird es, wenn “falsche Freunde” entstehen. Besonders das Wort “realisieren” ist so ein Fall, wenn es so verwendet wird, wie es gerade eben im Fernsehen zu hören war. Es war die Rede von einem Mann, der “realisiert hat, daß er von einem Blitz getroffen wurde.” (N3 Fernsehen, “Menschen und Schlagzeilen”) Nun, wie genau hat er es denn verwirklicht, vom Blitz getroffen zu werden? Oder hat er es doch nur ganz entsetzt bemerkt? Und hier war es nicht mal eine falsche Übersetzung, sondern das Wort “realisieren” wird schon direkt im Sinne von “bemerken” verwendet, was jedoch eigentlich falsch ist.
Nunja, “welcome to the real world”, wie schon der alte griechische Philosoph Konfuzius sagte… Vive la Trance!
25.1.2009 bei 15:44
Nachtrag: Bei http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortarchiv.php stieß ich gerade auf eine Erklärung.
Beim Start der deutschen V2-Raketen wurde vor dem Start die verbleibende Zeit heruntergezählt. Und “Countdown” ist nichts anderes als die Übersetzung für dieses “Herunterzählen”!