Auflehnung gegen die Rechtschreibreform? Es geht sogar noch viel schlimmer!

Teilweise haben Zeitungsredaktionen beschlossen, die einzelnen Stufen der Rechtschreibreform gar nicht umzusetzen, teilweise hat man eine Redaktionsschreibweise beschlossen, in der die größten Dummheiten der Reformstufen beseitigt wurden, teilweise hat man sogar von Neuschreib auf Altschreib zurückgewechselt. Hat aber alles gar nichts damit zu tun, was in Hannover geschehen ist, denn dort verstößt eine Universität ganz bewußt gegen geltende Rechtschreibregeln, und zwar gegen alt wie neu, weil sich an der Bindestrichregelung gar nichts geändert hat!

„Seit dem 1. Juli 2006 heißt die Universität Hannover Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.“ lautet die Überschrift auf der Seite Ext. Linkhttp://www.uni-hannover.de/de/aktuell/online-aktuell/news/02908/.


Jemand wie ich, der sich absolut nicht an Deppenleerzeichen gewöhnen kann, weil er weiß. daß solche Wortzusammensetzungen mit Bindestrichen durchgekoppelt werden, bekommt Bauchschmerzen, die ob der Tatsache, daß es sich bei einer Universität um eine der höchsten Bildungsstätten der Republik handeln sollte, gleich noch schlimmer und schließlich sogar qualvoll werden, wenn man die „Begründung“ der Universitätsleitung liest, die man als Antwort auf eine Anfrage erhält, warum bewußt gegen geltende Rechtschreibregeln verstoßen wird:

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Anmerkungen zur Schreibweise des neuen
Namens der Leibniz Universität Hannover.

Sie haben Recht, dass nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung bei
Zusammensetzungen mit mehreren oder mehrteiligen Namen Bindestriche gesetzt
werden (daran hat sich auch nach der Reform nichts geändert). Man schreibt
also:

Johannes-Gutenberg-Universität

Max-Planck-Gesellschaft

Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe.

Nun wird aber bei Namen häufiger von dieser Regel abgewichen. So findet man
gerade für Universitäten sehr unterschiedliche Schreibweisen:

Friedrich-Schiller-Universität Jena

und

Ludwig-Maximilians-Universität München,

aber auch

Eberhard Karls Universität Tübingen

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

oder

Johann Wolfgang Goethe-Universität (Frankfurt).

Das Präsidium der Leibniz Universität Hannover hat sich bewusst gegen
Bindestriche zwischen den einzelnen Begriffen entschieden. Wir möchten die
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, kurz Leibniz Universität
Hannover, als Marke etablieren. Der Verzicht auf Bindestriche erleichtert auch
den Einsatz der Marke im internationalen Bereich. Dabei nehmen wir den Verstoß
gegen die Rechtschreibregeln in Kauf.

Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag

Stefanie Beier

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Dr. Stefanie Beier
Pressesprecherin
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1
30167 Hannover
Tel.: AUS DATENSCHUTZRECHTLICHEN GRÜNDEN ENTFERNT
Fax: AUS DATENSCHUTZRECHTLICHEN GRÜNDEN ENTFERNT
mailto: AUS DATENSCHUTZRECHTLICHEN GRÜNDEN ENTFERNT
www.uni-hannover.de
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Seit dem 1. Juli 2006 trägt die Universität Hannover den neuen Namen Leibniz
Universität Hannover, aktuelle Informationen sind unter www.uni-hannover.de
abrufbar.

Wie ausgesprochen dämlich ist denn diese Begründung? „Der Verzicht auf Bindestriche erleichtert auch den Einsatz der Marke im internationalen Bereich. Dabei nehmen wir den Verstoß gegen die Rechtschreibregeln in Kauf.“

Hat sich eine Universität nicht per Gesetz an geltende Rechtschreibregeln zu halten? Und der „internationale Einsatz einer Marke“ wird durch das Weglassen von Bindestrichen erleichtert? Kennen Engländer und Amerikaner etwa keine Bindestriche? Eher stören die sich doch wohl an „Universität“, weil sie ja nur „University“ kennen!

Und als Argument anzuführen, daß man schließlich in Tübingen, Oldenburg und Frankfurt genauso blöd ist, das schlägt doch dem Faß die Krone ins Gesicht, oder wie lautete doch gleich dieses Sprichwort? ;-)

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