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Steinbrücks tolle Ideen (Hoffentlich gibt es keine Fortsetzung!)
Peer Steinbrück, Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland in der großen Koalition von 2005 (bis 2007 ?
, war bis neulich noch im Urlaub. Und gegen Ende seines Urlaubs muß es wohl gewesen sein, da gab er der großen deutschen Zeitschrift „Hörzu“ ein Interview.
Der Kernsatz bezüglich der notwendigen privaten Altersvorsorge war: „Das heißt: Wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen.“ Gleichzeitig sagte er, daß er bereits wüßte, daß man für solch unpopuläre Äßerungen öffentlich ganz schön verhauen werden könne. (Aber, aber! Warum denn das, Peer? Wenn Du und alle anderen Politiker auf Urlaub verzichten und für unser aller Altersvorsorge spendieren werdet, dann werden wir Euch doch nicht verhauen!)
Es sollte eigentlich jedem klar sein! Und das ist sogar jedem klar, der nicht in Deutschland wohnt und arbeitet!
Das Problem ist nur, daß ich mir das wirklich gar nicht leisten kann!
Als popeliger kleiner Buchhalter bekam ich seit 2001 keine Gehaltserhöhung, weil es der Wirtschaft weder unter CDU- noch unter SPD-Regierung noch unter der großen Koalition gut genug geht, damit meine Chefin weiter Tarifgehalt zahlen kann. Im Gegenteil: Weihnachtsgeld wurde gestrichen, und Ihr Politiker habt das sogar gutgeheißen, obwohl Ihr mit den Steuereinnahmen daraus gerechnet habt! Also bringe ich jetzt gerade noch so viel Geld nach Hause, daß es für die Ernährung einer Familie mit 4 Mitgliedern genügt. Noch!
Jetzt noch mal kurz an den Eintrag eins weiter oben gedacht: Wir geben dieses Jahr zirka 300 EUR für Schulsachen aus, und das ist ja erst die Erstausstattung zum Beginn des Schuljahres!
Windeln für unseren Jüngsten sind mit 16% Mehrwertsteuer (ab nächstem Jahr 19%!) zu bezahlen, während Katzen- und Hundefutter als Lebensmittel mit ermäßgten 7% besteuert werden. Tolle Familienförderung, die offensichtlich lieber Haustierchen subventioniert. Nichts gegen Haustiere, aber zahlen die irgendwann mal irgendetwas in die Rentenkassen ein?
Gas und Strom sind in den letzten zwei Jahren um 40% teurer geworden, und obwohl wir beim Verbrauch sparen, bezahlen wir bereits jetzt 50 EUR mehr im Monat an Vorauszahlungen, und die nächste Preisrunde steht kurz bevor!
Wir haben statt zwei Autos nur noch eines, das auch noch deutlich weniger verbraucht als jedes einzelne der beiden alten Autos. Finanziert wurde es zum Teil von unseren Eltern und Großeltern! Trotzdem haben wir keinen Spareffekt, weil die Spritpreise vor allem auch durch die Ökosteuer massiv gestiegen sind.
Ich bin chronisch krank, muß also schon nicht ganz so viel an Zuzahlungen leisten, aber 1% vom Brutto zusätzlich zum Krankenkassenbeitrag sind auch reichlich viel Geld! Vor allem muß man ja bedenken, daß ich mindestens einmal pro Monat 25km zum nächsten Facharzt fahren muß, Und ab nächstem Jahr wir der Krankenkassenbeitrag dann schon wieder erhöht, was sich dann paradoxerweise „Reform“ nennt, aber der Begriff ist wohl durch Politiker nun anderweitig belegt, als er dem eigentlichen Sinn nach noch im Duden steht!
Genauso ist es wirklich keine „Stärkung der Eigenverantwortung“, wenn ich für meine chronische Erkrankung einen sehr großen Teil selbst bezahlen darf! Ich werde nirgends „gestärkt“, und es liegt auch nicht in meiner eigenen Verantwortung! Es zieht mir nur Geld aus der Tasche, das diejenigen Leute mehr haben, die keine Krankheit haben!
Dummerweise bekomme ich als chronisch Kranker (ja, ich bin sogar schwerbehindert, 60% bis 2016!) natürlich auch keinen gutbezahlten Arbeitsplatz, obwohl meine Leistungen als herausragend bescheinigt werden. Es könnte ja sein, daß ich doch mal krank werde, und jedes Jahr 6 Wochen zusätzliche Lohnfortzahlung und 5 Tage Sonderurlaub bindet sich kein Arbeitgeber ans Bein. Dumm gelaufen! So verdiene ich eben knapp mehr, als wenn wir Hartz 4 beziehen würden.
So, das nur mal zu einem Teil der Kosten, die einer Familie mit Kindern gegenüber Leuten ohne Kinder mehr entstehen!
Herr Steinbrück, vielleicht könnten Ihre Mitarbeiter uns mal sagen, wo wir nun so viel Geld herbekommen, daß wir uns davon einen Urlaub leisten können, den wir dann für die Altersvorsorge streichen? Ich als Buchhalter kann es nicht, denn wenn die Ausgaben trotz Sparmaßnahmen steigen, während das Einkommen sinkt (allein schon die vom Staat verursachten Beitragserhöhungen in der Krankenversicherung der letzten Jahre machen uns finanziell extrem zu schaffen!), dann kann man nur noch kapitulieren!
Übrigens: Ich hätte ja sehr gerne betriebliche Altersvorsorge, aber wenn mein Betrieb schon nicht genug Geld für normale Gehaltserhöhungen aufbringen kann, wie sollte er dann zusätzlich eine Altersvorsorge für mich abschließen?
Ich könnte nun natürlich selbst auf Gehalt verzichten und dieses arbeitnehmerfinanziert in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen lassen. Das Rechenbeispiel (es ist übrigens nicht mein Gehalt, das ist leider deutlich niedriger!) ist ja einfach:
Aktuelle Gehaltsabrechnung:
3.000,00 € monatliches Brutto
- 636,73 € Steuern (inkl. Soli + Ki.-St.)
- 660,00 € Sozialabgaben
= Nettogehalt 1.703,27 €
Mit Direktversicherung:
3.000,00 € brutto
- 100,00 € Direktversicherungsbeitrag
- 600,02 € Steuern
- 638,00 € Sozialabgaben
= Nettogehalt 1.661,98 €
Differenz zwischen alten und neuem Gehalt: -41,29 €
Ist doch super! Ich verzichte netto lediglich auf 41,29 EUR und zahle trotzdem volle 100 EUR in die Altersvorsorge ein!
Wenn da nicht der folgende Fehler wäre: Ab 2008 ist das so nämlich nicht mehr möglich, weil dann Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit für arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersvorsorge wegfallen! Ab dann muß ich die 100 EUR aus dem Netto aufwenden, bezahle also 58,71 EUR mehr pro Monat.
Das ist eine Ungleichbehandlung gegenüber jemandem, dem der Arbeitgeber diesen Betrag oben aufs Gehalt drauflegt. Allerdings ist das noch nicht alles, denn für die Auszahlungen aus der Rentenversicherung, die dann aus meinen bereits versteuerten Beträgen geleistet wurden, ist die volle Steuer zu bezahlen. Eine Doppelbesteuerung meines Geldes, dafür, daß ich auch noch selbst betriebliche Altersvorsorge betreiben will? Das ist doch dann eine eher betrübliche Altersvorsorge!