Bayerisches Finanzgenie!

September 11th, 2016

Markus Söder, bayerischer Finanzminister, sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”, veröffentlicht in der Ausgabe 35/2016 auf Seite 20: “Der Zeitpunkt ist ideal, um vor allem für kleine und mittlere Einkommen Steuern zu senken und den Soli vollständig abzuschaffen.” Problem ist nur, dass kleine und mittlere Einkommen meistens gar keinen “Soli” zahlen. Kleinere Einkommen zahlen oft nicht mal Lohnsteuer (so wird die Einkommensteuer für Nichtselbständige genannt). Und das weiß Markus Söder als Finanzminister nicht?

Die Abschaffung des Solidaritätszuschlages würde also nur größere Einkommen bei der Einkommenssteuer entlasten. Und eine Einkommensteuerreform entlastet mittlere und vor allem hohe Einkommen! Selbst dann ist seine “Reform” nur ein Ausschütten der Überschüsse, die bisher aufgrund der kalten Progression entstanden sind. Und an die wollte seit 1990 doch eigentlich schon jede Bundesregierung mal ran, weil sie ungerecht ist …

Söders Steuerkonzept sieht eine jährliche Entlastung der Bürger um 10 Milliarden Euro vor. Wir sind 80 Mio. Bundesbürger. Rechnen wir mal 10.000.000.000 geteilt durch 80.000.000, dann sind das pro Kopf 125 Euro. Pro Jahr! Das sind etwa 10,42 € pro Monat oder 34,25 Cent pro Tag. Macht für unseren Drei-Personen-Haushalt ein wenig mehr als 1 Euro pro Tag. Allerdings habe ich ein Durchschnittseinkommen, werde also von der “CSU-Steuerreform” eher weniger profitieren, also werden für uns vielleicht 20 Cent am Tag rauskommen. Noch weniger werden die Putzfrau oder die Bäckereifachverkäuferin erhalten, weil die bisher keine Steuern zahlen, von denen man sie jetzt befreien könnte. Dann können wenigstens hohe Einkommen und Millionäre 20 Euro am Tag bekommen … Die investieren ihr Geld dann gleich wieder in Parteispenden und in Lobbyarbeit.

Weil sie wissen nicht, was sie tun

März 27th, 2016

Was denn? Irgendetwas nicht korrekt?

Warum in aller Welt sprechen dann alle nur noch solches Dummdeutsch und bilden Kausalsätze nur noch mit “weil”? Das allein wäre ja nicht schlimm, wenn – wie es im Nebensatz richtig wäre – der Sprecher wenigstens den Satzbau korrekt umgestellt hätte.

“Weil” leitet einen Nebensatz ein, und “denn” einen Hauptsatz. Aber das lernen die Leute anscheinend nicht mehr korrekt. Auch Hauptsätze werden mit “weil” begonnen, denn die Leute haben das Sprechen verlernt!

Und sich dann über “zu viele Ausländer” aufregen. 🙁 Leute, Ihr braucht keine Angst vor Überfremdung zu haben, Ihr selbst seid des Deutschen fremd. Viele Ausländer geben sich deutlich mehr Mühe, richtig Deutsch zu sprechen!

Wer den Fehler beim Lesen der Überschrift bemerkt hat, für den sind Hopfen und Malz noch nicht verloren. Man muss es nur noch richtig anwenden, und um richtig zu lernen, wie das geht, empfehle ich bei contentguru nachzulesen …

Oder beim Zwiebelfisch, der das Problem schon 2005 (!) beschrieben hat.

Sprachfehler (17)

Juli 25th, 2015

F*cking unbelievable! Oder doch besser: Einfach unglaublich.

Gerade sehe ich einen sehr interessanten Film: “No Turning Back” Tom Hardy spielt den Bauunternehmer Ivan Locke. Der Nachname “Locke” ist übrigens der Originaltitel.

Why the fuck, äh, warum zum Teufel wird dieser Film in Deutschland mit dem englischen “No Turning Back” betitelt? Es trifft zwar zu, dass Ivan Locke für sich entschieden hat, dass es kein Zurück für ihn gibt. Aber warum wird hier schon wieder ein englischer Titel für die deutsche Fassung eines Films gewählt, der mit dem englischen Originaltitel gar nichts zu tun hat?

Warum wird “Tomorrowland” (Morgen-Land) zu “A World Beyond” (Eine Welt im … Jenseits(?))?

Warum “Unfriended” (Entfreundet) zu “Unknown User” (Unbekannter Nutzer)?

“Chef” (Chefkoch) wird auf Deutsch “Kiss the Cook” (Küss den Koch).

“Hot Pursuit” (Heiße Verfolgung) wird zu “Miss Bodyguard”.

“She’s funny that way” (Sie ist auf diese Art lustig) trägt den “deutschen” Titel: “Broadway Therapy”. (“Broadway-Therapie” wäre ja beinahe tolerierbar!)

Selbst der dänisch-deutsche Film “Mænd & høns” wird zu “Men and Chicken” statt zu “Männer und Hühner”.

Der “lustigste” Film aus der Reihe “denglische Umbetitelung” ist meiner Meinung nach der “deutsche” Titel “96 Hours” für den französischen Film “Taken” mit Liam Neeson 🙂

Und zum Schluss der Titelaufzählungen: warum betitelt der Deutsche Wim Wenders seinen Film “Every Thing Will Be Fine” (ok, der Film wurde auf Englisch gedreht) und schreibt “everything” (alles) mit Deppenleerzeichen? Oder meint er wirklich “jedes (einzelne) Ding”.

Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ich sehe mir englischsprachige Filme und Serien mittlerweile nur noch im Originalton an. Ich liebe die englische Sprache. Aber wenn, dann doch bitte erstens englische Filmtitel nur im englischsprachigen Raum und zweitens richtig!

Abfinden könnte ich mich mit dem Originaltitel in Verbindung mit einem deutschen Untertitel. Beim eingangs erwähnten Film hieße das dann also “Locke – Keine Umkehr”.

Aber ich fürchte beim Verdenglischen von Filmtiteln gibt es “No Turning Back”.

Fukushima Daiichi

April 22nd, 2015

Ich sehe gerade Die Story im Ersten: Ranga Yogeshwar in Fukushima. Erstens rechtfertigen gerade solche Reportagen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und zweitens bin ich entsetzt, was da alles gemacht werden muss, um die Folgen eines GAUs zu beseitigen. Die Arbeiten werden noch 30 bis 40 Jahre andauern!

Nur die Kosten für die “Abwicklung” betragen 187 Milliarden Euro! 877.692 Gigawattstunden wurden seit 26. März 1971 in Daiichi erzeugt.

Legte man diese Kosten auf den Strompreis um, wären das zirka 12 Cent pro durch Atomkraft in Japan erzeugter Kilowattstunde – seit 1971.

Und da rede noch mal einer von günstigem Atomstrom!

Dritte-Welt-Land Deutschland!

April 22nd, 2015

Es gibt sogenannte “unentbehrliche Arzneimittel”, diese sind nach “Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) solche Arzneistoffe, die benötigt werden, um die dringlichsten Bedürfnisse der Bevölkerung zur medizinischen Versorgung zu befriedigen. Sie sollen in einem Gesundheitssystem in adäquater Menge, richtiger Dosierungsform, guter Qualität und zu einem für den Patienten erschwinglichen Preis verfügbar sein.”

Demnach ist Deutschland ungefähr seit Anfang Dezember 2014 dank der Firma “Merck Serono GmbH” ein Dritte-Welt-Land, denn es ist hier nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit die notwendige Dosis “Astonin H” zu erhalten. Das ist der Handelsname des Wirkstoffs “Fludrocortison”, eines der unentbehrlichen Arzneimittel. Ohne weitere Begründung führt die Firma an, dass der Grundstoff für unbestimmte Zeit nicht verfügbar sein wird und deshalb keine Vorräte mehr vorhanden sind.

Man kann nun ein in Deutschland nicht zugelassenes Medikament aus dem Ausland bestellen, das denselben Wirkstoff enthält. Das Witzige daran ist, dass es seit kurzem einen Hersteller gibt, der das Medikament als Generikum herstellt. Möglicherweise geht es hier mal wieder nur ums Geld zu Lasten der Patientengesundheit!